Über uns

Wir sind der Literaturkurs "kreatives Schreiben" und müssen mittwochs bis zur 10. in der Schule bleiben. Das können wir so gar nicht leiden, doch es lässt sich nunmal nicht vermeiden. Alles besser als Kunst, Orchester und Musik, doch nun Schluss mit der Kritik. Mit Frau Janssen hatten wir schon viele schöne Stunden, und haben diese mit Bravour überwunden. Unsere Gruppen sind verschieden, doch das Oberthema ist geblieben. So manchen ist es wohl bekannt, wir haben es "Die Liebe" genannt!

Mittwoch, 30. November 2011


Ich sitze im Thalys. Direction Paris-Nord.
Ein Mann betritt das Abteil,  schaut sich flüchtig um, setzt sich ans Fenster.
Draußen, vor seinem Fenster, steht eine Frau auf dem Bahnsteig, mit einem kleinen Kind auf dem Arm.
Sie winken den Mann zu, der Kleine patscht mit seinen Fingern gegen die Scheibe. Der Vater streckt seine aus,  und ihre Hände scheinen sich zu berühren.
„Nä, wie schön“, denk ich und plötzlich fällt mir ein, dass mein Ticket im Koffer liegt.  Unten.  Ganz Unten.  Unter gefühlten 100 Kilo.
Der Zug fährt los.
Und dann hör ich ein Schluchzen.
Ich dreh mich um, verrenk mir fast den Hals.
Diskretion ist nicht so meine Stärke. Der Mann von eben.  Schaut unter Tränen nach draußen.
Winkt den beiden hinterher.
Der Zug wird schneller und schneller, bis der Bahnhof nicht mehr zu sehen ist.
Er kann einfach nicht aufhören, eine Träne nach der anderen.
Wie schon Herr Bendzko trefflich sagte:
Mir fehl'n die Worte, ich hab die Worte nicht.
Ehrlich. Gut, jeder dritte Film bringt mich zum Weinen, aber dagegen kann alles einpacken.
Ich bin gerührt,  berührt, alles auf einmal.
Wie viel Liebe muss in diesem Mann, diesem Vater, stecken?
Wie viel Liebe bringt einen Mann von heute zum Weinen?
Wie viel Liebe ist denn da mal bitte?
In Brüssel steigt er aus, die Augen völlig rot und verheult.
Er muss die Blicke einiger spüren.
Es ist ihm egal.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen