Ich sitze im Thalys. Direction Paris-Nord.
Ein Mann betritt das Abteil, schaut sich flüchtig um, setzt sich ans Fenster.
Draußen, vor seinem Fenster, steht eine Frau auf dem
Bahnsteig, mit einem kleinen Kind auf dem Arm.
Sie winken den Mann zu, der Kleine patscht mit seinen
Fingern gegen die Scheibe. Der Vater streckt seine aus, und ihre Hände scheinen sich zu berühren.
„Nä, wie schön“, denk ich und plötzlich fällt mir ein, dass
mein Ticket im Koffer liegt. Unten. Ganz Unten.
Unter gefühlten 100 Kilo.
Der Zug fährt los.
Und dann hör ich ein Schluchzen.
Ich dreh mich um, verrenk mir fast den Hals.
Diskretion ist nicht so meine Stärke. Der Mann von
eben. Schaut unter Tränen nach draußen.
Winkt den beiden hinterher.
Der Zug wird schneller und schneller, bis der Bahnhof nicht
mehr zu sehen ist.
Er kann einfach nicht aufhören, eine Träne nach der anderen.
Wie schon Herr Bendzko trefflich sagte:
Mir fehl'n die Worte, ich hab die Worte nicht.
Ehrlich. Gut, jeder dritte Film bringt mich zum Weinen, aber
dagegen kann alles einpacken.
Ich bin gerührt, berührt, alles auf einmal.
Wie viel Liebe muss in diesem Mann, diesem Vater, stecken?
Wie viel Liebe bringt einen Mann von heute zum Weinen?
Wie viel Liebe ist denn da mal bitte?
Wie viel Liebe ist denn da mal bitte?
In Brüssel steigt er aus, die Augen völlig rot und verheult.
Er muss die Blicke einiger spüren.
Es ist ihm egal.
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